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Warum fällt Loslassen so schwer?


Es gibt Entscheidungen, die längst getroffen sind und uns trotzdem nicht loslassen.

Eine Beziehung ist beendet. Der Arbeitsplatz wurde gekündigt. Die Absage liegt seit Wochen im Postfach. Das Gespräch ist längst vorbei.


Im Außen ist etwas abgeschlossen. Im Inneren beschäftigt es uns weiterhin.


Wir denken darüber nach, was wir hätten sagen können. Was passiert wäre, wenn wir anders gehandelt hätten. Ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Oder wir halten an einer Hoffnung fest, obwohl wir längst spüren, dass sie uns mehr Kraft kostet, als sie uns gibt.


Loslassen wirkt von außen oft erstaunlich einfach.

"Du musst nur abschließen."

"Schau nach vorne."

"Konzentriere dich auf das, was vor dir liegt."


Gut gemeinte Sätze. Und doch verändern sie häufig wenig. Denn Loslassen beginnt nicht mit einer Entscheidung. Es beginnt mit einem Verständnis. Im Laufe meiner Arbeit ist mir immer wieder aufgefallen, dass Menschen selten an einer Situation festhalten. Sie halten an etwas fest, das mit dieser Situation verbunden ist.

An einer Vorstellung.

An einem Wunsch.

An einer gemeinsamen Zukunft.

An einem Bild von sich selbst.

An einem Versprechen.

An einer Hoffnung.


Deshalb fühlt sich Loslassen oft größer an als das eigentliche Ereignis.

Wer seinen Arbeitsplatz verliert, verliert manchmal weit mehr als eine Stelle.

Vielleicht geht ein Gefühl von Sicherheit verloren. Eine vertraute Rolle. Eine Identität.

Ein Plan für die nächsten Jahre.


Wer eine Beziehung beendet, verabschiedet sich häufig nicht nur von einem Menschen.

Es verschwindet auch ein gemeinsames Morgen. Ein Alltag, der nie stattfinden wird. Die Reisen, die geplant waren. Die Gespräche, die nie geführt werden. Die Version des eigenen Lebens, die plötzlich nicht mehr existiert.


Je genauer wir hinschauen, desto deutlicher wird, dass Loslassen selten nur eine Sache betrifft. Verschiedene Ebenen unseres Inneren bewegen sich gleichzeitig.

Werte.

Bedürfnisse.

Erfahrungen.

Überzeugungen.

Das Bild, das wir von unserem Leben hatten.


Die Innere Architektur beschreibt genau dieses Zusammenspiel. Sie geht davon aus, dass unser Erleben nie durch einen einzelnen Faktor entsteht. Mehrere Elemente wirken gleichzeitig aufeinander ein und beeinflussen, wie wir eine Situation wahrnehmen und welche Bedeutung wir ihr geben.


Deshalb erleben zwei Menschen denselben Verlust oft völlig unterschiedlich.

Dabei geht es nicht darum, zu bewerten ob einer stärker oder schwächer ist.

Ihre innere Architektur ist unterschiedlich. Ihre Erfahrungen unterscheiden sich. Ihre Werte. Ihre Bedürfnisse. Ihre Geschichte.


Loslassen verläuft deshalb auch nicht nach einem festen Zeitplan. Es ist kein Wettlauf.

Kein Zeichen von Stärke. Kein Beweis dafür, dass etwas verarbeitet wurde. Manchmal verändert sich etwas in dem Moment, in dem wir verstehen, woran wir eigentlich festhalten. Nicht an der Situation. An ihrer Bedeutung. Und genau dort beginnt häufig eine neue Form von Klarheit.

Der Schmerz verschwindet nicht. Wir beginnen zu erkennen, was in uns bewegt werden möchte.


Diese Frage begleitet auch die Arbeit im the inner space. Nicht mit dem Ziel, Menschen zum Loslassen zu bewegen. Mit der Zeit und dem Raum, herauszufinden, was sie noch festhält.


 
 
 

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