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Warum Veränderung Angst machen kann, obwohl wir sie uns wünschen

vor 6 Stunden
2 Min. Lesezeit

Manchmal wünschen wir uns eine Veränderung über Monate oder sogar Jahre. Einen anderen Beruf, ein neues Zuhause, mehr Freiheit oder endlich den Mut, eine Entscheidung zu treffen, die längst überfällig erscheint.


Dann rückt die Veränderung plötzlich in greifbare Nähe. Und ausgerechnet jetzt entsteht Unsicherheit.


Der neue Arbeitsvertrag liegt auf dem Tisch und der bisher so unerträgliche Job wirkt auf einmal gar nicht mehr ganz so schlimm. Eine passende Wohnung ist gefunden und plötzlich fallen all die Dinge auf, die man am bisherigen Zuhause doch vermissen würde. Eine Entscheidung könnte endlich getroffen werden und genau in diesem Moment tauchen Zweifel auf, die vorher kaum eine Rolle gespielt haben.


Das kann irritieren. Schließlich haben wir uns genau diese Veränderung gewünscht.

Ich finde an solchen Momenten interessant, dass wir Veränderung häufig von ihrem Ergebnis aus betrachten. Wir stellen uns vor, wie es sein wird, wenn wir angekommen sind. Wir sehen die neue Wohnung, den anderen Beruf oder das Leben nach einer wichtigen Entscheidung. Der Weg dorthin bleibt in dieser Vorstellung oft erstaunlich unscharf.

Erst wenn die Veränderung tatsächlich beginnt, wird sichtbar, dass wir nicht einfach von einem Zustand in einen anderen wechseln.

Wir lassen auch etwas zurück.


Das Vertraute hat eine eigene Bedeutung, selbst wenn wir damit schon lange unzufrieden sind. Wir kennen die Menschen, die Abläufe und unsere Rolle darin. Wir wissen, was morgen ungefähr passieren wird. In einer neuen Situation müssen viele dieser Selbstverständlichkeiten erst wieder entstehen.


Und manchmal verändert sich noch etwas viel Grundsätzlicheres.

Mit einem neuen Beruf kann sich das Bild verändern, das wir von uns selbst haben. Ein Umzug kann vertraute Beziehungen und Gewohnheiten berühren. Eine Trennung verändert nicht nur den Alltag, sie kann auch eine Vorstellung davon auflösen, wie das eigene Leben einmal aussehen sollte.


Je näher eine Veränderung rückt, desto mehr dieser Verbindungen werden spürbar.

Aus Sicht der Inneren Architektur ist es deshalb nachvollziehbar, dass Wunsch und Unsicherheit gleichzeitig existieren können. Ein Teil unseres Lebens bewegt sich in eine Richtung, während andere Bereiche erst beginnen, sich auf diese Bewegung einzustellen.

Das erklärt für mich auch, warum Zweifel kurz vor einer Veränderung nicht automatisch bedeuten, dass die Entscheidung falsch ist.


Sie können darauf hinweisen, dass wir gerade begreifen, welche Bedeutung diese Entscheidung tatsächlich hat.


Veränderung betrifft selten nur den Bereich, den wir bewusst verändern möchten. Sie bewegt Beziehungen, Gewohnheiten, Erwartungen und manchmal sogar unser Selbstverständnis. Aus einem einzelnen Schritt entsteht Bewegung an mehreren Stellen unserer Inneren Architektur.


Genau deshalb kann etwas gleichzeitig richtig wirken und Angst machen.

Beides darf Teil derselben Veränderung sein.


 
 
 

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