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Warum zwei Menschen dieselbe Situation unterschiedlich erleben

vor 6 Tagen
2 Min. Lesezeit

Zwei Menschen sitzen im selben Meeting. Der Vorgesetzte kritisiert eine Arbeit und bittet darum, einige Punkte noch einmal zu überarbeiten. Für den einen ist das Gespräch kurze Zeit später erledigt. Der andere nimmt es mit nach Hause, denkt am Abend noch darüber nach und fragt sich, ob die Kritik eigentlich bedeutet, dass seine Arbeit grundsätzlich nicht gut genug ist.


Das Ereignis war dasselbe. Das Erleben war es nicht.

Solche Unterschiede begegnen uns ständig. Ein Mensch empfindet einen Umzug als Aufbruch, ein anderer erlebt ihn als Verlust. Eine unerwartete Veränderung kann Neugier auslösen oder das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Selbst ein Satz, der für den einen kaum Bedeutung hat, kann einen anderen noch Tage beschäftigen.

Mich interessiert an solchen Situationen weniger, wer sie richtig wahrgenommen hat. Spannender finde ich die Frage, wie diese unterschiedlichen Wahrnehmungen entstehen.

Denn wir begegnen einer Situation nie zum ersten Mal.

Wir bringen unsere Geschichte mit.


Was wir erlebt haben, hat Spuren hinterlassen. Wir haben gelernt, bestimmte Situationen einzuschätzen, Erwartungen entwickelt und Erfahrungen darüber gesammelt, was für uns sicher, gefährlich, angenehm oder verletzend sein kann. Im Laufe unseres Lebens entsteht daraus eine sehr individuelle Art, die Welt zu betrachten.

Das geschieht häufig so selbstverständlich, dass wir unsere eigene Wahrnehmung für die naheliegende halten.


Gerade im Kontakt mit anderen Menschen wird das sichtbar. Wir erzählen von einem Konflikt und sind irritiert, weil unser Gegenüber die Situation völlig anders einschätzt. Wir können kaum nachvollziehen, warum jemand auf etwas empfindlich reagiert, das für uns bedeutungslos erscheint. Gleichzeitig verstehen andere nicht, weshalb uns eine bestimmte Situation so beschäftigt.


Aus Sicht der Inneren Architektur ist diese Unterschiedlichkeit folgerichtig.

Jeder Mensch betrachtet das, was ihm begegnet, aus einer anderen inneren Ausgangslage. Frühere Erfahrungen haben beeinflusst, worauf wir achten. Unsere Identität prägt, welche Bedeutung etwas für uns bekommt. Auch das, was wir gerade brauchen und wie wir uns in diesem Moment fühlen, verändert unseren Blick.


So entsteht aus einem Ereignis ein persönliches Erleben. Das erklärt auch, warum wir unsere eigene Reaktion manchmal erst im Nachhinein verstehen. Ein Gespräch beschäftigt uns stärker, als wir erwartet hätten. Eine Bemerkung trifft einen empfindlichen Punkt. Eine Entscheidung löst Widerstand aus, obwohl sie auf dem Papier vernünftig erscheint.

Dann lohnt sich für mich die Frage, was genau wir in dieser Situation erlebt haben.

Denn zwischen dem, was passiert, und dem, was es für uns bedeutet, liegt unsere eigene Geschichte.


Diesen Zwischenraum sichtbar zu machen, gehört für mich zu den spannendsten Bereichen der Inneren Architektur. Dort lässt sich erkennen, weshalb dieselbe Welt für jeden Menschen ein wenig anders aussieht.


 
 
 

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