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Warum wir Entscheidungen treffen, die eigentlich gar nicht unsere sind

14. Okt.
3 Min. Lesezeit

Manche Entscheidungen fühlen sich auf dem Papier vollkommen richtig an.

Der sichere Beruf. Die vernünftige Wohnung. Die Beziehung, gegen die objektiv wenig spricht. Ein Lebensweg, der nachvollziehbar ist und den vermutlich kaum jemand infrage stellen würde.


Und trotzdem kann irgendwann dieses schwer greifbare Gefühl entstehen, im eigenen Leben an einer Stelle falsch abgebogen zu sein. Dabei gab es diesen einen falschen Abzweig häufig gar nicht.


Es waren viele Entscheidungen, die für sich genommen plausibel waren.

Wir lernen früh, worauf es im Leben ankommt. Wir erleben, welche Entscheidungen Anerkennung bekommen und welche für Unverständnis sorgen. Wir hören, was als sicher, vernünftig oder erfolgreich gilt. Menschen, die uns wichtig sind, teilen ihre Erfahrungen mit uns und möchten uns manchmal vor Fehlern bewahren, die sie selbst gemacht haben.

All das begleitet uns, wenn wir beginnen, unser eigenes Leben zu gestalten.

Mit der Zeit können daraus Vorstellungen entstehen, die sich vollkommen selbstverständlich anfühlen. Ein sicherer Arbeitsplatz ist wichtiger als eine Tätigkeit, die uns interessiert. Eine langjährige Beziehung gibt man nicht einfach auf. Wer etwas angefangen hat, bringt es zu Ende. Mit einem bestimmten Alter sollte man angekommen sein. Eine gute Entscheidung muss sich auch erklären lassen.


Irgendwann wissen wir gar nicht mehr, woher diese Vorstellungen ursprünglich kamen.

Sie gehören einfach zu unserem Denken.

Genau das finde ich an Entscheidungen so interessant. Wir erleben sie als etwas sehr Persönliches und treffen sie doch nie vollkommen losgelöst von dem, was uns geprägt hat.

Unsere Familie hinterlässt Vorstellungen davon, wie Leben funktioniert. Beziehungen verändern unsere Prioritäten. Erfahrungen prägen, was wir vermeiden möchten. Auch das Umfeld, in dem wir leben, vermittelt uns ständig Bilder davon, was erstrebenswert ist.

Aus all diesen Einflüssen entwickelt sich über Jahre eine eigene innere Logik.

Und diese Logik kann lange funktionieren.

Bis eine Entscheidung auftaucht, die nicht mehr hineinpasst.


Plötzlich möchten wir einen sicheren Weg verlassen. Eine Beziehung fühlt sich nicht mehr richtig an, obwohl es keinen eindeutigen Grund dafür gibt. Ein berufliches Ziel, auf das wir lange hingearbeitet haben, verliert kurz vor dem Erreichen seine Bedeutung.

Gerade dann beginnt häufig die Suche nach einer vernünftigen Erklärung.

Wir versuchen, den neuen Wunsch mit der bisherigen Logik unseres Lebens in Einklang zu bringen. Und manchmal gelingt genau das nicht.


Aus Sicht der Inneren Architektur ist dieser Widerspruch interessant.

Denn die Vorstellungen, nach denen wir unser Leben einmal ausgerichtet haben, entwickeln sich nicht zwangsläufig im gleichen Tempo wie wir selbst. Erfahrungen verändern uns. Werte verschieben sich. Bedürfnisse werden deutlicher. Was vor zehn Jahren eine stimmige Entscheidung war, muss deshalb heute nicht mehr dieselbe Bedeutung haben.


Dann kann eine Frage auftauchen, die zunächst erstaunlich schwer zu beantworten ist:


Was möchte ich eigentlich selbst?


Nicht als Aufforderung, alle Erwartungen anderer Menschen abzuschütteln. Sie gehören zu unserem Leben und werden uns weiterhin beeinflussen.

Die Frage lädt eher dazu ein, die eigene Entscheidung einmal genauer anzusehen.

Woher kommt die Vorstellung, dass dieser Weg der richtige ist? Welche Erwartungen habe ich so lange erfüllt, dass sie inzwischen wie meine eigenen wirken? Und würde ich dieselbe Entscheidung treffen, wenn ich sie niemandem erklären müsste?

Solche Fragen verändern nicht automatisch unser Leben.

Sie können jedoch sichtbar machen, aus welcher inneren Logik heraus wir es bisher gestaltet haben.


Und manchmal erkennen wir dabei, dass eine Entscheidung, die sich lange richtig angefühlt hat, sehr gut zu dem Menschen gepasst hat, der wir einmal waren.

Die nächste darf zu dem Menschen passen, der wir heute sind.


Tiefe Veränderungen brauchen manchmal einen Blick von Außen - der hilft, diese neue Form freizulegen.


Mehr zum Thema Entscheidungsfindung findest du im Artikel, warum uns manche Entscheidungen so schwer fallen.

 
 
 

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1 Kommentar

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Lena
14. Okt.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Sehr schöner Beitrag zu Entscheidungen. Muss ich mich selbst mal wirklich hinterfragen und überlegen, ob das auf mich auch zutrifft.

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