top of page

Warum wir an Rollenbildern festhalten

23. Sept.
3 Min. Lesezeit

In vielen Familien gibt es sie. Die Vernünftige. Den Chaoten. Diejenige, die sich um alles kümmert. Den, der nie über Gefühle spricht. Die Starke, die immer irgendwie klarkommt.

Auch außerhalb der Familie tragen wir solche Rollen mit uns. Im Beruf sind wir die Zuverlässige, im Freundeskreis die gute Zuhörerin und in einer Partnerschaft der Mensch, der Konflikte lieber glättet. Manche dieser Rollen haben wir bewusst übernommen. Andere scheinen irgendwann entstanden zu sein und begleiten uns seitdem so selbstverständlich, dass wir kaum noch über sie nachdenken.

Interessant wird es häufig erst dann, wenn eine Rolle nicht mehr zu unserem Leben passt.

Diejenige, die sich immer um alle gekümmert hat, möchte plötzlich selbst Unterstützung. Der zuverlässige Mitarbeiter will nicht mehr jede zusätzliche Aufgabe übernehmen. Die Frau, die ihr Leben lang vernünftig entschieden hat, möchte etwas tun, das überhaupt nicht in dieses Bild passt.


Eigentlich hat sich nur ein Wunsch verändert. Und doch kann sich dieser Wunsch erstaunlich groß anfühlen.


Denn eine Rolle beschreibt mit der Zeit nicht mehr nur, was wir tun. Sie kann Teil der Vorstellung werden, die wir von uns selbst haben. Aus „Ich kümmere mich häufig“ wird irgendwann „Ich bin diejenige, die sich kümmert“. Aus einem Verhalten entwickelt sich eine Selbstbeschreibung.


Diese Selbstbeschreibung bleibt selten nur bei uns.

Auch unser Umfeld lernt uns in dieser Rolle kennen. Menschen verlassen sich darauf, dass wir bestimmte Aufgaben übernehmen, auf eine bestimmte Weise reagieren oder Entscheidungen treffen, die zu dem Bild passen, das sie von uns haben. Dadurch entsteht etwas Vertrautes. Für uns und für die Menschen um uns herum.

Wenn wir beginnen, diese Rolle zu verändern, bewegt sich deshalb mehr als unser eigenes Verhalten.


Eine Frau, die plötzlich Grenzen setzt, verändert gleichzeitig eine Beziehung, in der ihre ständige Verfügbarkeit bisher selbstverständlich war. Wer nicht mehr jede Verantwortung übernimmt, hinterlässt einen freien Platz, den jemand anderes füllen muss. Und wer sich erlaubt, eine andere Seite von sich zu zeigen, kann bei anderen Irritation auslösen.

Genau an diesem Punkt wird verständlich, warum wir manchmal an Rollen festhalten, die längst anstrengend geworden sind.


Sie geben uns Orientierung.


Wir wissen, wer wir in einer bestimmten Situation sind und was von uns erwartet wird. Auch Anerkennung kann eng mit einer Rolle verbunden sein. Wer über Jahre dafür geschätzt wurde, besonders belastbar, hilfsbereit oder vernünftig zu sein, gibt mit dieser Rolle ein Stück vertraute Bestätigung auf.


Im Modell der Inneren Architektur interessiert mich deshalb die Frage, wann eine Rolle vom Verhalten zur Identität geworden ist.

Denn Menschen verändern sich. Erfahrungen kommen hinzu, Prioritäten verschieben sich und das eigene Leben entwickelt sich weiter. Eine Rolle, die einmal hilfreich war, muss deshalb nicht für immer passen.


Manchmal bemerken wir diese Veränderung zuerst als Unzufriedenheit. Wir reagieren gereizt auf Erwartungen, die früher selbstverständlich waren. Aufgaben kosten plötzlich mehr Kraft. Oder wir spüren einen Wunsch, den wir lange nicht mit dem Bild von uns selbst vereinbaren konnten.


Dann kann es spannend sein, genauer hinzusehen.

Welche Rolle spiele ich hier eigentlich? Wie lange gibt es sie schon? Und wer wäre ich in dieser Situation, wenn ich sie nicht mehr erfüllen müsste?


Manchmal beginnt genau dort eine neue Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

Denn wir sind im Laufe unseres Lebens sehr vieles.

Und nicht jede Rolle, die einmal zu uns gehört hat, muss uns für immer begleiten.


In the inner space geht es genau um diese tiefe Arbeit an sich selbst. Schau gerne mal vorbei.

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page